Koffein – die alltägliche Droge

Wasser ist das wichtigste Element in unserem Leben, weil man aus ihm Kaffee kocht. Viele Menschen kommen ohne ihre morgendliche Koffeindröhnung gar nicht erst in Fahrt, übernächtigten Eltern rettet er durch den Tag und Schichtarbeitenden hilft er durch die Nacht. Aber was genau macht Kaffee mit uns? Woher kommt seine aufputschende Wirkung?

(Bildquelle: https://pixabay.com/de/kaffee-kunst-liebe-design-herz-608968/)

Die munter machende Wirkung von Kaffee ist eine Reaktion auf das enthaltende Koffein. Koffein ist eine natürliche pflanzliche Substanz, die nicht nur in Kaffeepflanzen, sondern auch in Kakao, Tee oder Guarana enthalten ist. Mit der Nahrung aufgenommen, wird es fast vollständig in den Blutkreislauf aufgenommen und gelang ungehindert durch die Blut-Hirn-Schranke in unser zentrales Nervensystem. Dort bindet es an unterschiedliche Rezeptoren und beeinflusst so das neurochemische Gleichgewicht.

 

Wie Koffein im Körper wirkt

 

Der für die Wirksamkeit des Koffeins wichtigste dieser Rezeptoren ist wohl der Adenosinrezeptor, der durch die Bindung eines Koffeinmoleküls zeitweilig blockiert wird. Diese Blockade bewirkt vor allen Dingen eine Erhöhung der Ausschüttung von Dopamin und Adrenalin. Dopamin ist unter anderem als „Glücksbotenstoff“ bekannt. Es wird im Belohnungszentrum unseres Gehirns produziert, steigert unsere Stimmung und unsere Aufmerksamkeit. Die Involvierung des Dopamins in den Wirkmechanismus von Koffein ist wohl ein Hauptgrund für das Risiko einer psychischen Abhängigkeit. Ein Koffein-induzierter Anstieg der Adrenalinauschüttung bewirkt außerdem einen kräftigeren Herzschlag, sowie schnellere Atmung und eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur, die gepaart ist mit einem beschleunigten Stoffwechsel. Die Wirkung von Koffein entfaltet sich etwa 15 Minuten nach der Einnahme und kann bis zu 6 Stunden anhalten. Dabei ist die genaue Wirkintensität und –dauer stark vom Konsumenten und seiner individuell gewohnten Koffeindosis abhängig.

 

Ein Risiko von regelmäßigem Koffeingenuss liegt nicht nur in der psychischen Abhängigkeit, sondern vor allen Dingen in der Gewöhnung. Je mehr unser Körper Koffein gewohnt ist, desto weniger stark reagiert er auf sein Auftreten. Die Neurochemie passt sich den Gegebenheiten an, so dass jetzt ohne Koffein ein Ungleichgewicht entsteht. Wird der regelmäßige Konsum unterbrochen oder gar beendet, klagen viele Personen über Müdigkeit, Unlust, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Auch Kopf- und Muskelschmerzen sind eine typische Beobachtung bei ausbleibender Koffeinaufnahme. Letztere können durch die Gefäßverengende Wirkung von Koffein entstehen. Bleibt diese nun aus kommt es zu minimalen Schwellungen, die Druck ausüben und somit Schmerzen auslösen. Derartige Symptome klingen nach wenigen koffeinfreien Tagen allerdings wieder ab.

 

Gesundheitsfördernder Effekt von Kaffee

 

Das klingt jetzt zwar etwas dramatisch, aber im Grunde wirkt Kaffeekonsum durchaus positiv auf unsere Gesundheit. Zahlreiche Langzeitstudien beschreiben Vorzüge des regelmäßigen Kaffeekonsums. Hier einige Beispiele:

 

  1. Kaffee wirkt positiv auf die Leber

Kaffeekonsum kann den schädlichen Folgen erhöhten Alkoholkonsums auf die Leber entgegenwirken. Auch Krebserkrankungen an der Leber traten bei Personen mit regelmäßigem Kaffeekonsum seltener auf. Ebenfalls kann Kaffe eine Fettleber vorbeugen.

 

  1. Kaffee macht glücklich

Die oben beschriebe Ausschüttung von Dopamin ist natürlich eine schnelle Reaktion auf den Konsum. Forscher konnten aber auch langfristig zeigen, dass Kaffeeverweigerung mit einem 10% höheren Risiko einer Depression einher geht. Eine US amerikanische Studie zeigte des Weiteren einen deutlichen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Selbstmordraten, wonach das Risiko, Suizid zu begehen bis zu 50% geringer war, wenn nur genügend Kaffee getrunken wurde.

 

  1. Kaffee beugt Diabetes vor

Relativ hohe Dosen von etwa 4 Tassen Kaffee pro Tag scheinen Diabetes Typ II vor zu beugen. Dieser positive Effekt wirkt allerdings nicht bei gezuckertem Kaffee. Die Forscher vermuten, dass eine bestimmte Säure, die in Kaffeebohnen enthalten ist hilft, den Blutzuckerspiegel zu regulieren.

 

  1. Kaffee ist gut für das Gehirn

Kaffee steigert nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern trägt durch die enthaltenden Antioxidantien auch zur geistigen Fitness bei. Studien konnten außerdem zeigen, dass Kaffeegenuss altersbedingten Demenzerkrankungen entgegenwirkt.

 

Kaffee wird nahezu in der gesamten Welt konsumiert und ist sicherlich das am weitesten verbreitete neurochemisch wirksame Genußmittel. Über Geschmack lässt sich wahrlich streiten, aber seine Wirksamkeit auf den menschlichen Körper ist faszinierend.

 


Quellen:

 

Eskelinen MH, Kivipelto M. Caffeine as a protective factor in dementia and Alzheimer's disease. J Alzheimers Dis. 2010;20 Suppl 1:S167-74

 

Lucas M, O’Reilly E, Pan A, Mirzaei F, Willett W, Okereke O, Ascherio A. Coffee, caffeine, and risk of completed suicide: Results from three prospective cohorts of American adults. The World Journal of Biological Psychiatry 2014 (15-5)

 

Nordestgaard AT, Thomsen M, Nordestgaard BG. Coffee intake and risk of obesity, metabolic syndrome and type 2 diabetes: a Mendelian randomization study. Int J Epidemiol. 2015 Apr;44(2):551-65

 

Salomone F, Galvano F, Li Volti G. Molecular Bases Underlying the Hepatoprotective Effects of Coffee. Nutriens 2017 Jan 23; 9(1)

 

Wang L, Shen X, Wu Y, Zhang D. Coffee and caffeine consumption and depression: A meta-analysis of observational studies. Aust N Z J Psychiatry. 2016 Mar;50(3):228-42

 



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